Leben mit einem Implantierbaren Kardioverter-Defibrilator

Im Leben kommt es nicht darauf an, ein gutes Blatt in der Hand zu haben, sondern mit schlechten Karten gut zu spielen.
(Robert Louis Stevenson)

Ende gut, alles gut.

Defibrillator? Ach du dickes Ei! ABER, was will man tun?! Er beendet die lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen.

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich mich fühlte, als die Hiobsbotschaft ertönte, vor allem weil ich sie nicht erwartete. Man schaut in dem Moment, wie die Kuh wenn’s blitzt.

Als Leistungssportler war ich davon überzeugt, dass mir außer Knochenbrüche, Sehnenrisse oder Muskelschmerzen nichts passieren kann. Man stellt sich vor, dass man durch eine gesunde Lebensweise und Training unverwundbar ist und mit seiner Kraft wie ein König führt und regiert – bis der König entthront wird.

Die Ohnmacht, die einen ohne wirkliche Voranmeldung wegfegt, ist ein Erlebnis, das nicht nach einer „Zugabe“ ruft.
Nach dem ersten Schrecken stellt man fest, dass man noch am Leben ist und in dem Moment ist man nur froh, aufgewacht zu sein.

Die Implantation

Die meisten „Defianer“ empfinden die Implantation als „nicht schlimm“, haben eine gute Wundheilung und sind mehr oder minder schnell zurück im alten Leben. Ich gehöre wie gewohnt zu der Gruppe, die nach der Implantation über einen Albtraum lallen.

Bei mir wirkte die Anästhesie nicht so gut 🤢. Das war für mich das schlimmste Erlebnis in meinem ganzen Leben. Und über die entwickelten Angst- und Panikattacken und Schlafstörungen ganz zu schweigen.

Aber was will man machen?

…Und dann?

Und dann erlebt man Sachen, die vor der Implantation einem nicht erzählt werden. Langanhaltende Schmerzen, Panikattacken und schlaflose Nächte sind nur ein Teil der Erlebnisse.

Das Allerschlimmste war das Gefühl,  nicht ernst genommen zu werden.

Die Defibrillatoren sind immer ein Kombinationsgerät aus einem Schrittmacher und Defibrillator und es wird einem gesagt, dass der Schrittmacher aus ist. Wenn man mir sagt, dass etwas aus ist, erwarte ich das in dem Fall Wort wörtlich. Aber nein, er ist nicht aus. Er kann gar nicht ausgeschaltet werden. Mein Ruhepuls ist ziemlich niedrig und wenn ich in dem Moment eine Extrasystole habe, ist die Pause zum nächsten Herzschlag etwas länger. Das kenne ich nicht anders und stört mich überhaupt nicht. Aber der Schrittmacher übersetzte für sich, dass die Pause zu lang sei und er müsste mich retten in dem er einen „künstlichen“ Herzschlag erzeugt. Normalerweise spürt man das nicht und genau das hat man lange versucht mich davon zu überzeugen, dass man das, was ich beschrieben habe, nicht spüren kann.

ABER….es ist möglich.

Ich merkte diese Impulse als starkes Zucken, was mich sofort in eine Panik getrieben hat, denn ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was los war. Man hat im Kopf nur das Szenario, dass er möglich ist, beim vollen Bewusstsein geschockt zu werden. Nach 4 Monaten hin und her stellten wir fest, dass meine Sonde an einer ungünstigen Stelle befestigt ist und diese Impulse mein Zwerchfell reizen. Das war ein Zwerchfell zucken, was ich merkte. Das „Ding“ neu eingestellt und jetzt spüre ich eher ein Kitzeln.

Es ist für mich persönlich nicht optimal, aber nun ja. Was will man machen?

Was mich nicht tötet, macht mich stark.

Na ja, wie man es nimmt. Natürlich habe ich Glück gehabt und überlebte. Und sicherlich wird mir mein „Ding“ das Leben retten, sollte ich wieder in so einer Situation kommen.

Trotzdem überlegte ich lange, wie ich mit der Situation umgehen kann. Das Leben nur zu leben, um nur warm zu sein, ist für mich keine Option. Es klingt womöglich hart, aber ich bin diesbezüglich etwas pragmatisch. Eine gewisse Lebensqualität ist mich essenziell.

Zum Glück ist mein Kardiologe jemand, der eine Balance zwischen dem Notwendigen (Medikamente, Defi) und meinem Wunsch, normal leben zu können, finden kann. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Und meine Therapeutin? Genau die Richtige für mich. Eine pragmatische Frau, die mich rasant aus dem tiefen, schwarzen Loch herauslockte.

Jetzt bin ich auf einem Punkt angekommen, wo ich sogar Witze machen kann. Mein Ehemann sagte mir einmal am Flughafen: „Nimmt das nicht so ernst. Du bist jetzt ein Pop-Star. Du zeigst deinen Ausweis und man winkt dich nur durch.“😊

Nach langer Zeit habe ich entschieden mein Defi nicht mehr „das Ding“  zu nennen. Er heißt jetzt Luzifer Medtronic (Medtronic ist die Firma) und er ist offiziell adoptiert worden.

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